Titelbild: Die schöne Eifel bei Wershofen

Vorgestern, am 21.1.18, hab ich den weiten Weg in Kauf genommen, und bin in die wunderschöne Eifel gefahren. Ziel war Peter Wohllebens Waldakademie in Wershofen. In diesem Beitrag möchte ich euch davon berichten, was wir bei dem knapp vierstündigen Seminar alles gelernt haben, und warum wir hoffentlich sehr bald wieder viel mehr Pferde sehen werden…

Anfahrt

Schon bei der Anfahrt aus dem Ruhrpott lässt sich unschwer erahnen, dass dieser Ort gute 450m höher liegt als die Stadt Essen, in der ich wohne. Denn wo bei uns die Schneeflocken bei Bodenberührung schlagartig schmelzen, lagen in Wershofen und Umgebung einfach mal gute 20cm Neuschnee. Zum Glück hatte die Straßenmeisterei schon gute Arbeit geleistet, denn die Hauptwege waren alle gestreut und geräumt. Petrus meinte es gut mit uns. An diesem Sonntag gab es dort herrlichen Sonnenschein, was zusammen mit der Schneedecke ein hübsches Bild ergab.20180121_132916

Begrüßung

Um 14 Uhr war Treffpunkt in Wershofen. Ein sehr beschauliches Örtchen mit nur knapp 886 Einwohnern,  welches in der schönen Eifel liegt. Die Teilnehmerzahl war auf maximal 15 Leute begrenzt, denn das Seminar lief unter dem Motto: Kamingespräch mit Peter Wohlleben.

Wir standen schon draußen vor dem Eingang zur Waldakademie, als unser Seminarleiter, Peter Wohlleben höchstpersönlich zu uns in die Runde kam und uns erst einmal mit einem freundlichen Händedruck begrüßte. Im Fernseh wirkt der Mann definitiv nicht so groß wie in Wirklichkeit. Kurz darauf ging es auch schon los, in Richtung Wald.

Nadeln essen

Den ersten kurzen Stopp machten wir schon nach ca. 600m. Wir standen vor einer kleinen Baumgruppe. Peter Wohlleben fragte uns, welche zwei Baumarten wir hier erkennen. Für die meisten der Seminarteilnehmer kein Problem: Douglasie und Rot-Fichte. Dann kam die Frage, woran man dies erkennen kann. Zum Einen hat die Douglasie flachere Nadeln als die Rot-Fichte. Deren Nadeln sind eher dreikantig. Zum Anderen sehen die Zapfen der Douglasie anders aus.

Zum erstaunen Aller wurde uns dann jedoch der Vorschlag gemacht, wir sollen die unterschiedlichen Nadeln einfach mal probieren. Das die Douglasie einen charakteristisch limonigen Duft beim Zerreiben hat, wusste ich schon vorher. Aber das wir auch am Geschmack unterscheiden können, war mir bis dahin neu. Deswegen fragte ich vorher extra nochmal nach, ob ich das jetzt wirklich probieren soll. Könnte ja giftig sein, aber wie die meisten (heimischen) Baumarten sind sie es nicht. Gemacht, getan.

Fazit: Geschmacklich klar unterscheidbar, denn der limonige Duft spiegelt sich auch im Geschmack wieder. Jedoch würde ich mir jetzt beides nicht aufs Brötchen schmieren.

Die Sache mit dem unterschiedlichen Geschmack ist eine sehr gute Art, langanhaltend Wissen zu vermitteln. Denn so werden nicht nur der Seh- und Tastsinn angesprochen, sondern auch noch der Geschmackssinn. Umso mehr Sinne beim Lernen mit einbezogen werden, desto besser kann das Gelernte i.d.R. behalten werden. Douglasie und Fichte werde ich für meinen Teil nie wieder verwechseln und meinen Garten- und Landschaftsbau Lehrlingen kann ich auf diese Weise noch besser etwas beibringen.

Sturmschäden

Nach dem kleinen Pausensnack ging es nur wenige hundert Meter weiter, bis wir vor dem Waldstück angekommen sind. Dort ging Herr Wohlleben auf den Sturm ein, der ja nur ein paar Tage vorher sein Unwesen trieb. Wir gingen auf die Frage ein, warum es überhaupt so oft zu umgestürzten Bäumen kommen kann. Hier gibt es mehrere Ansätze…

Ein Problem ist das die Faserstruktur der Bäume verändert wird. Normalerweise weisen die Bäume im Stamm eine eher verdrehte Struktur auf. Ein sog. Drehwuchs, wie man ihn oft bei Hainbuchen sehen kann. So sind die Stämme elastischer und widerstandsfähiger gegen starken Wind. Durch züchterische Maßnahmen wird bezweckt, dass die Holzfasern eher längs mit dem Stammverlauf wachsen. So lässt sich das Holz später besser verarbeiten und verdreht sich mit den Jahren nicht so stark. Gut für die Bretter, schlecht jedoch für den Baum wenn ein Sturm aufzieht.

Die züchterisch veränderten kleine Fichten werden dann oft auch noch schlecht eingepflanzt. Denn bei der Pflanzung wird schon am ersten und wichtigsten Kostenfaktor gespart: Der Zeit. Im Gegensatz zu einer fachlich richtig ausgeführten Baumpflanzung, wie wir sie z.B. bei uns im Garten machen würden, werden bei der Waldpflanzung meist nur sehr kleine und schmale Pflanzlöcher mit dem Spaten gestochen. Wenn dann zu ausladende Wurzeln am Sämling sind, werden diese schon im Voraus eingekürzt, damit die Löcher auch nicht zu breit gemacht werden müssen. Durch das Einkürzen der dickeren Wurzeln und das zu schmale Pflanzloch kann sich das Wurzelsystem jedoch nicht so entwickeln, wie es eigentlich sein sollte.

Natur Sturmschaden

Sturmschaden

Kommen wir zum nächsten Probelm, was schon wieder wir Menschen hervorgerufen haben (immer dieser böse Mensch). Als wir vor tausenden von Jahren damit anfingen, die Felder mit Pflügen zu bewirtschaften, sorgten wir für langanhaltende Bodenverdichtung. Denn beim Pflügen des Feldes, entsteht eine sog. Pflugsohle. Das ist die Schicht, damals in etwa 40cm Bodentiefe, in der die Pflugscharren ihre maximale Bearbeitungstiefe erreichen. Darüber ist alles umgepflügt. Darunter bildet sich jedoch eine feste, verdichtet Schicht, die nur noch schwer Wasser und Luft durchlässt. Wachsen die Baumwurzeln nun bis auf diese verdichtete Schicht, haben sie es sehr schwer noch tiefer zu kommen. Entweder kommen sie nicht so leicht durch, oder können durch den schlechten Lufthaushalt und die Staunässe anfangen zu faulen.

Bodenverdichtung

Die weitere Waldwanderung ging über Stock und Stein. Zum Glück hatte ich die richtigen Wanderschuhe an, die selbst dem Schneematsch trotzen konnten. Im Wald selber kam Peter Wohlleben auf eins der größeren Probleme unserer Waldwirtschaft zu sprechen. Die Automatisierung, die selbst vor der Waldarbeit keinen Halt macht.

Früher war es ganz normal, dass Bäume mit echter Manpower und Rückepferden aus dem Wald zum weiteren Abtransport befördert wurden. Ein sehr anstrengender und gefährlicher Beruf. Vor knapp 12 Jahren durfte ich bei einer berufsvorbereitenden Maßnahme selber viel über den Beruf des Forstarbeiters lernen.

Heutzutage werden jedoch verstärkt Maschinen eingesetzt. Allen voran der Harvester, oder auch Holzvollernter genannt. Diese Fällmonster schaffen in gleicher Zeit, etwa so viel wie 10 Forstarbeiter. Klingt für die Forstindustrie ja erstmal sehr gut, denn damit wird Zeit und somit Geld gespart. Jedoch wiegen diese Maschinen auch einiges. 20 Tonnen Gewicht und auch mehr,  fahren dann über die Waldböden. Das hohe Gewicht sorgt leider dafür, dass sich der Waldboden darunter zunehmend verdichtet.Ein genaueres Bild dieser Maschine erhaltet Ihr hier. Ein Problem, denn ist der Boden einmal verdichtet, hat das etliche Auswirkungen:

• weniger Hohlräume;
• Merkmale von Sauerstoffmangel (rostige oder graublaue
Flecken);
• eingeschränkte Durchgängigkeit für Stoffe und Lebewesen;
• stauende Nässe;
• Sauerstoffmangel;
• verringerte N-Mineralisierung;
• schlechte Durchwurzelbarkeit;
• für Pflanzenwurzeln ungünstige Wachstumsbedingungen.

Laut Peter Wohlleben haben selbst Maßnahmen, wie z.B. breitere Reifen, befahren im Frost oder Reisigmatten nicht den gewünschten Wirkungsgrad um die Bodenverdichtung gering zu halten. Was also machen?

Back to the roots! 

Das Altbewährte ist auch oft noch das Beste. Um dem großen Problem der Bodenverdichtung durch die Harvester entgegenzuwirken, geht Herr Wohlleben mit gutem Beispiel voran. In seinen Wäldern kommen zur Holzernte ausschließlich Forstarbeiter und Rückepferde zum Einsatz. Dadurch wird der Waldboden nicht verdichtet, und die Bäume können sich insgesamt viel besser entwickeln. Wenn ich beim Seminar richtig aufgepasst habe, wird der Ertrag mit einem intakten Waldboden (unverdichtet) um 60% gesteigert! Denn Bäume, die in einem guten Grund stehen, wachsen schneller und kräftiger. Eine klassische Win/Win Situation zwischen Baum und Mensch.

Leider wirkt sich diese Steigerung erst nach langer Zeit positiv auf die Geldbörse aus, weswegen die gute Alte Methode mit Pferden nicht mehr so häufig genutzt wird. Waldwirtschaft ist nun mal Generationenarbeit. Der Vater pflanzt die Bäume für die Enkel, u.s.w.

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Pferdchen 🙂

Weitere Vorteile durch diese Entwicklung wären außerdem die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen für Forstarbeiter und Tierpfleger. Natürlich würden ein paar Arbeitsplätze gestrichen, die mit der Bedienung und dem Bau der Harvester zusammen hängen, aber ich könnte z.B. noch einen schönen neuen Bagger gebrauchen. Somit haben die Mechaniker also doch noch genug zu tun.

Kamingespräch

Nach der knapp zweistündigen Wanderung und jede Menge neuem Wissen im Gepäck, fanden wir uns wieder in der Waldakademie ein. Dort wurden wir schon herzlich von Peter Wohllebens Tochter mit leckerem Kaffee und Kuchen empfangen. Streusel- und Apfelkuchen. Ob der jetzt selbst gebacken wurde hab ich vergessen zu fragen. War auf jeden Fall Lecker. Bei gemütlichen Beisammensein konnten wir nun alle weiteren Fragen klären, die uns noch so auf der Seele brannten. Eine meiner Fragen war, was denn nun jeder Einzelne dafür tun kann, damit nicht so viele unserer Bäume im Sägewerk enden. Zur Beantwortung kommen wir weiter unten…

Denn ein weiteres erklärtes Ziel von Herr Wohlleben ist es, dass wieder mehr Urwälder in Deutschland entstehen. 

An und für sich ist Deutschland schon eins der waldreichsten Länder der EU. Knapp ein Drittel dieses Landes besteht aus Waldfläche. Dazu gehört z.B. auch der Nationalpark Eifel. Jedoch kann sich hier nicht der Artenreichtum bilden, wie in echten, auf sich allein gestellten Urwäldern, wie es sie schon vor tausenden von Jahren in Deutschland gab.

Der Nationalpark Eifel ist also schon ein geschütztes, artenreiches Gebiet. Jedoch wird hier durch gesteuerte Eingriffe in die Natur bewirkt, dass aus dem natürlichen Lebensraum Wald, zum Teil der Lebensraum Steppe entsteht. Das lockt andere Tierarten an, die hier vorher nicht gelebt haben, und meist auch größer sind, als die urtümlichen Bewohner der Buchenwälder. Also scheint in diesem Mischflächen nur eine größere Artenvielfalt zu bestehen, da die Bewohner der dunklen Buchenwälder oft viel kleiner sind (wozu auch diverse Pilzarten gehören), aber doch eine größere Biodiversität vorherrscht.

Wer sich aktiv für den Arten- und Waldschutz engagieren möchte, kann hier die Patenschaft für ein Stück Urwald erwerben. Der Erlöß deckt die Kosten, welche bei normaler Waldbewirtschaftung erzielt würden. Somit muss der Urwald nicht für den Kommerz weichen.

Was können Wir alle machen?

Neben dem Urwaldprojekt können wir ALLE mit vielen Kleinigkeiten, verdammt viel für eine schönere und gesündere Umwelt machen, in der Wir ALLE besser Leben. Vor allem unsere Kinder und Enkelkinder.

Alle Maßnahmen, die unseren Energieverbrauch reduzieren, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Weniger Heizkosten, weniger Papierverbrauch, ect. Alle Maßnahmen zu nennen würde den Rahmen hier sprengen.

Ich persönlich mache auch definitiv nicht alles richtig. Aber ich bin immer froh, wenn ich mit irgendeiner Kleinigkeit etwas für eine schönere Zukunft machen konnte. Z.B. esse ich lieber ein gutes Stück Fleisch vom örtlichen Bauern, wo ich sehen kann, wie die Tiere vorher gelebt haben. Ist vielleicht weitaus teurer als diverse Massentierhaltungs-Produkte, aber ich weiß das es den Tieren vorher gut ging. Es wäre für die Tierchen sogar noch besser, wenn ich komplett vegetarisch leben würde, aber wie gesagt, ich bin auch kein Engel und Kleinigkeiten zählen.

Als wichtigste Maßnahme sagte Peter Wohlleben jedoch folgendes:

Wir müssen uns mit unseren Entscheidungen wohlfühlen! Im Leben geht es primär darum, glücklich zu sein.

Eigentlich eine universelle Lösung, denn ich kann mir Niemanden vorstellen, der am Ende seines Lebens glücklich im Schaukelstuhl sitzt, mit der Gewissheit, seinen Mitgeschöpfen und der Umwelt mehr als nötig geschadet zu haben.

 

Fazit des Seminars:

Definitiv empfehlenswert! Man lernt neue Leute kennen, in wunderschöner, landschaftlicher Umgebung und bekommt zum Teil eine ganz andere Sichtweise auf die besprochenen Dinge. Allein das gelernte Wissen war jeden Euro wert. Außerdem konnte ich auf diesem Weg auch noch meine beiden Bücher vom Autor unterzeichnen lassen. Wenn Ihr Peter  Wohlleben auch einmal persönlich kennen lernen wollt, schaut auf der Seite von Wohllebens-Waldakademie vorbei. Den Link gibts hier.

Bücher

Zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, auf dieses Seminar zu fahren. Alles fing mit meinem Geburtstagsgeschenk letztes Jahr an. Das Buch: Das Geheime Netzwerk der Natur!20180125_094859

Natur und Tiere ist ja sowieso voll mein Thema, aber dieses Buch ist so interessant geschrieben, dass meine Lust auf Mehr geweckt wurde. Voll mit Naturwissen, aber alles interessant verpackt. Hat man das Buch durchgelesen, besitzt man einen anderen Blick auf die Dinge in unserer Umwelt. So wollte ich dann auch die Chance nutzen, und den Buchautor persönlich kennenzulernen.

Vor 2 Wochen hab ich dann direkt das nächste passende Buch von meiner Frau geschenkt bekommen: Das geheime Leben der Bäume! Bin mal gespannt ob das auch so gut ist.

 

 

 

 

Kategorien: On Tour

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