Stecklinge richtig ziehen

Eine der einfachsten Arten seine Pflanzen zu vermehren, ist das Ziehen von Stecklingen. Dies ist ein Weg der sog. vegetativen Vermehrung. Ganz im Gegensatz zur sog. generativen Vermehrung, welche ganz herkömmlich über die Bildung von Samen geschieht.

Nebenbei erwähnt sind Stecklinge keine Ableger, wie oft verwechselt wird. Ableger werden erst nach dem Anwurzeln von der Mutterpflanze abgeschnitten.

Generell funktioniert die Methode der Stecklinge ziehen bei fast allen Pflanzen. Man sollte jedoch auf ein paar Kleinigkeiten achten.

Wie lang sollten die Stecklinge sein:

Nicht zu lang, denn dann würde unnötigerweise zu viel Wasser verdunsten. Auch nicht zu kurz, damit noch genug Masse (u.a. Reservestoffe) vorhanden ist, um neue Wurzeln zu bilden. 6-8cm Stecklingslänge ist ideal. Am besten verwendet man die Triebspitzen. Dann werden es sog. Kopfstecklinge.

Man kann auch aus einem Ast (Trieb) mehrere Stecklinge schneiden. Dann erhält man sog. Teilstecklinge. Jedoch wachsen Kopfstecklinge meist schneller und besser an.

Am Steckling sollten maximal 2-3 Blätter verbleiben. Wenn schon Blüten oder Blütenknospen vorhanden sind, werden diese entfernt. Denn das würde nur unnötig Wasser verdunsten. Solange der Trieb noch keine neuen Wurzeln gebildet hat, muss das vorhandene Wasser in den Zellen ausreichen.

Wo schneide ich?

Die Triebe zum Stecklinge ziehen dürfen nicht zu holzig sein (das könnte bei Gehölzen, wie z.b. dem Weißdorn der Fall sein). Holzige Triebe sind nicht mehr so grün und fühlen sich rauer und härter an. Denn grüne Triebe wurzeln leichter an.

Der Schnitt sollte kurz unterhalb einem Auge (Nodium) geschehen. Denn meist werden nur aus diesen Vegetationspunkten neue Wurzeln gebildet.

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Womit schneide ich die Stecklinge?

Man könnte eine einfache Schere nehmen. Jedoch empfehle ich hierfür entweder eine scharfe Rosenschere (*klickt hier, und seht mit welcher Rosenschere der Profi arbeitet).

Um keine Krankheiten wie Pilze oder Viren zu verschleppen, sollte vor jedem Schnitt unterschiedlicher Pflanzen die Klinge desinfiziert werden. Z.b mit Feuer oder hochprozentigem Alkohol. So geht man auf Nummer sicher.

Oder man nimmt direkt eine Rasierklinge. Die schneiden sehr sauber (es entstehen keine unschönen Quetschungen) und können leicht ausgetauscht werden.

Wie kann ich das Anwachsen der Stecklinge verbessern:

  • Zum einem kann man die Blätter einkürzen. Also einfach die Hälfte der Blätter abschneiden. Das verringert wieder die Verdunstung.
  • Die Wurzelbildung funktioniert unter hoher Luftfeuchtigkeit besser. Es sollte also sog. „gespannte Luft“ vorherrschen. Dies geht ganz einfach in dafür gebauten Anzuchtkästen (Minigewächshäuser). *Ein schönes Beispiel, welches wir selbst benutzen, findet Ihr unter diesem Link. Wer es eher pragmatisch angeht kann auch einfach eine durchsichtige Tüte über den Topf ziehen.
  • Es sollte warm genug sein. Die meisten Pflanzen lieben hierbei eine Temperatur zwischen 18-25°C.
  • Die Stecklinge sollten hell genug stehen, jedoch keine direkte Mittagssonne abbekommen. Im Winter sind die Tage so kurz, dass spezielle Pflanzleuchten notwendig werden.
  • Es gibt spezielle Wachstumshormone für die die Wurzelbildung. Damit habe ich jedoch keine eigenen Erfahrungen sammeln können. Wer das schon hat, kann gerne unten in die Kommentare schreiben.

Wie gehts weiter:

Die Stecklinge kann man einfach in einem Glas mit Wasser Wurzeln ziehen lassen. Dabei würde ich empfehlen, die Flüssigkeit alle paar Tage zu wechseln. Ähnlich wie bei Schnittblumen in der Blumenvase, hält dies die Pflanzen länger und besser frisch.

Oder man lässt direkt in der Erde (Substrat) anwurzeln. Diese sollte jedoch Salz- und nährstoffarm sein, sowie einen guten Wasser- und Lufthaushalt haben. Hierfür gibt es diverse Anzuchterden zu kaufen, *wie z.b. diese hier.

Vorteil von Stecklingen gegenüber Samen:

Ein bedeutender Vorteil von der vegetativen Vermehrung (also auch von Stecklingen) ist es, dass ein Klon der Mutterpflanze erzeugt wird. Mit allen Eigenschaften und Vorteilen. So geht man sicher, dass die Jungpflanze die selben schönen Blüten ausbildet, wie es vorher der Fall war.

Die generative Vermehrung aus Samen hingegen kann immer wieder andere Eigenschaften in den neuen Jungpflanzen zum Vorschein bringen. Dies geschieht durch natürliche Mutationen, welche von Mutter Natur mehr als gewollt sind. Denn so kann sich jede Art auf die ständig wechselnden Umwelteinflüsse, wie z.b. das Klima, anpassen.

Wann sind die Stecklinge fertig zum verpflanzen?

Sind die Wurzeln mehrere Zentimeter lang, können die kleinen Pflänzchen in ihren neuen Topf oder Ort gepflanzt werden. Dies lässt sich beim Anziehen in Wasser rein optisch leicht erkennen.

Stecklinge, welche in Erde stehen, sollten nicht andauernd ausgebuddelt werden, um die Wurzellänge zu kontrollieren. Hierbei würden die Feinwurzeln abgerissen. Die Bildung von neuen Trieben oder Blättern verrät uns, dass mittlerweile genug Wurzeln zum Umpflanzen gebildet wurden.

Zum Schluss seht Ihr noch ein paar Beispiele, unserer eigenen, erfolgreich angewurzelten Stecklinge…..

Viel Spaß beim nachmachen☺️

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